Zukunftsperspektiven für Südstadt und Baumschulviertel

2014_01_15_reinsberg_kleinerZusätzlicher Wohnungsbau erfordert  Stärkung  der Stadtteilzentren und  raumübergreifende Verkehrskonzepte

Ein Beitrag von Henriette Reinsberg, stv. Sprecherin im Planungs- und Verkehrsausschuss und örtliche CDU-Stadtverordnete im Wahlkreis 4 – Baumschulviertel / Südstadt
Viele Jahre tat sich nicht viel Neues in der Südstadt mit ihren prachtvollen Gründerjahre- und Jugendstilbauten sowie in dem schon in der Weststadt gelegenen Baumschulviertel, das in Bezug auf die Bausubstanz der Südstadt nicht viel nachsteht. Jetzt kommt aber Bewegung in die Ortsteile, weil große bonn_suedstadt_kleinerBau- und Sanierungsprojekte anstehen. In der Südstadt werden mehr Wohnungen entstehen, im Baumschulviertel  werden Baumschulwäldchen und die an das Viertel angrenzende Viktoriabrücke saniert. Die Zahl der Bewohner wird also steigen, der Verkehr aber auch. Daher ist frühzeitig dafür zu sorgen, dass die Funktionstüchtigkeit der Stadtteilzentren mit ihrer facettenreichen gewerblichen  Infrastruktur und dem notwendigen Dienstleistungsangebot  gestärkt, ein tragfähiges Konzept zur Bewältigung des Verkehrs entwickelt und der Naherholungswert durch weitere Grünanlagen in den neuen Wohngebieten sichergestellt wird. Nur dann wird das Ziel erreicht, die hohe Qualität des Wohnens zu erhalten.

Südstadt und Baumschulviertel  dienen vorwiegend dem Wohnen. Die geplanten Wohnbauprojekte kommen der starken Nachfrage nach Wohnraum entgegen. Eine genaue Zeitvorstellung, wann mit den Baumaßnahmen begonnen wird, gibt es noch nicht.

  • Für das Gelände Ermekeilkaserne soll auf Grundlage der gerade in einer Bürgerwerkstattbonn_ermekeilkaserne_kleiner erarbeiteten ersten Entwürfe ein Bebauungsplan erarbeitet werden. Geplant ist der Bau von ca. 500 Wohnungen und einer Tiefgarage. Zurzeit wird das Gelände vom Land NRW als Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge genutzt und dies wird wohl auch noch einige Zeit so sein. Ein Teil des Bundesamtes für Migranten und Flüchtlinge (BAMF) richtet zudem gerade eine weitere Stelle zur Registrierung von Flüchtlingen dort ein. Die Bauplanung soll aber weitergeführt werden und es wird auch überlegt, eventuell einzelne Gebäude aus dem Komplex vorab herauszulösen, um sie früher neuen Planungen zuzuführen.
  • Auf dem an der Poppelsdorfer-Allee gelegenen Gelände der Zurich Versicherung, die im Jahr 2018 nach Köln umziehen will, sollen ebenfalls Wohnungen entstehen Das Innere des Karrees Bonner Talweg, Poppelsdorfer Allee, Prinz-Albert-Straße und Heinrich von Kleist-Straße soll nach derzeitiger Entwurfsplanung der Bonner Verwaltung mit viergeschossigen Wohnblocks bebaut werden, wobei die vorgesehenen Gärten der neuen Häuser an die Gärten der Gründerjahre- und Jugendstilhäuser der Heinrich-von- Kleist – und der Prinz-Albert-Straße stoßen sollen. Die Randbebauung am Bonner Talweg und der Poppelsdorfer Allee soll weiterhin Büros beherbergen.
    bonn_Bplan_ehemaliger_dtherold_kleinerDie Zurich beabsichtigt, für das gesamte Areal einen Architektenwettbewerb auszuschreiben. Ob das Herold-Gebäude am Bonner Talweg unter Denkmalschutz gestellt wird, wird noch geprüft. Unsicher ist auch, was mit dem in den 70er Jahren anstelle des Bürgervereins gebauten Hotel Bristol geschieht, von dem ich hoffe, dass es dort bleibt. Der Betreiber will expandieren, was wegen der unter Denkmalschutz gestellten Villa an der Poppelsdorfer Allee nach Westen schwierig ist, ggf. aber durch Aufstocken bzw. Neubau der Gebäude zwischen dem Hotelhochbau und Haus-Nr. 2 a an der Prinz-Albert-Straße. Es ist auch insgesamt ein Neubau denkbar. Nach derzeitiger Planung ist an der Ecke  auf jeden Fall ein Hotel vorgesehen. Die Ecke kann nach Meinung des städtebaulichen Beirats, der die Bonner Stadtverwaltung in städtebaulichen Fragen berät, durchaus einen dominanten Bau vertragen. Diese Auffassung teile ich. Die Tiefgarage unter dem gesamten Areal soll erhalten bleiben und ich hoffe, dass in Zukunft mehr Parkplätze der Garage als bisher auch von Anwohnern und Betrieben aus der Umgebung zu verträglichen Preisen gemietet werden können.
  • Bei dem Um- und Neubauprojekt des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn am Bonner Talwegbonn_petruskrankenhaus_kleiner handelt es sich um eine effizienzsteigernde Maßnahme. Dabei sollen praktisch „alle Betten“ des früheren Elisabethkrankenhauses in der Prinz-Albert-Straße auf das Areal des früheren Petruskrankenhauses verlegt werden. Die Pläne, die an allen Seiten Anbauten an das bestehende Krankenhausgebäude vorsehen, wurden den Bürgerinnen und Bürgern kürzlich von der Geschäftsführung des Krankenhauses vorgestellt. Was mit dem Bau des ehemaligen Elisabethkrankenhauses geschieht, ist noch unklar. Zu begrüßen wäre zweifellos, wenn  hier weiterer Platz für Wohnungsbau inklusive einer Tiefgarage  entstehen würde.
  • Am südlichen Ende der Quantiusstraße ist auf dem Gelände neben der Bahnhofsgarage, auf dem sich z.Z. noch die Radstation befindet, der Bau eines Studentenwohngebäudes mit 210 Appartements, mit Fahrradstation, Ladenflächen und einer Tiefgarage geplant. Der Verwaltung liegt eine entsprechende Bauvoranfrage zur Prüfung auf Zulässigkeit vor. Ein  positiver Bescheid ist zu erwarten. Die Vorbereitungen für die übergangsweise  Unterbringung der Radstation während der Bauzeit in einem Teil des Parkhauses laufen.

So erfreulich es ist, dass die Südstadt anders als andere Bonner Stadtteile noch genügend Raum für zusätzliche Wohnbebauung bietet, so sehr ist zu bedenken, dass Südstadt und Baumschulviertel schon jetzt viel Verkehr ertragen müssen. Ein Brennpunkt ist die Reuterstraße, aber auch  auf   der Baumschulallee und dem Wittelsbacherring bilden sich zu Hauptverkehrszeiten langen Autoschlangen. Das wird im Baumschulviertel noch schlimmer, wenn demnächst die Viktoriabrücke saniert wird und nur noch eine Fahrspur zur Verfügung steht. Die Sanierung der Viktoriabrücke ist eines der großen Verkehrsprojekte in Bonn verbunden mit dem Bau des Kreisels am Alten Friedhof auf der anderen Bahnseite. Ob es nach der Sanierung aber mit dem Verkehr auf dem Wittelsbacherring und Baumschulallee besser wird, ist mehr als fraglich, denn der Verkehr entsteht zum großen Teil aus dem Nord-Süd-Durchgangsverkehr ausgehend von der Reuterstraße und durch Fahrzeuge, die über die Meckenheimer Allee aus der Richtung Poppelsdorf kommen bzw. dorthin wollen.  Dieser Verkehr wird noch wachsen, sobald die Mehrfamilienhäuser  im geplanten Baugebiet  „Im Wingert“ oberhalb des Clemens-August-Platzes in Poppelsdorf errichtet sind. Das wird zwar noch dauern, weil die notwendigen Voruntersuchungen zur Bauleitplanung noch nicht abgeschlossen sind, aber langfristig ist damit zu rechnen. Nicht zu unterschätzen ist zum anderen der Ziel und Quellverkehr aus Südstadt und Baumschulviertel selbst.  Verkehrslösungen sind nicht in Sicht außer der Hoffnung darauf, dass zukünftig mehr Bürgerinnen und Bürger das Fahrrad, Bus und Bahn  oder carsharing-Angebote benutzen. Die Koalition unterstützt die zum motorisierten Individualverkehr alternative Verkehrspolitik in hohem Maße.

Die Carsharing-Station in der Südstadt  mit den verschiedenen Stellplätzen in beiden Ortsteilen wird bereits gut angenommen. Weitere carsharing – Stellplätze  sollten, so wie bei den Entwürfen zur Bebauung des Ermekeilgeländes  schon geschehen, bei allen großen Bauprojekten frühzeitig eingeplant werden.

Der Anteil der Radfahrer ist in der Südstadt und im Baumschulviertel erfreulich hoch. Beide Ortsteile sind, soweit in den zum Teil sehr engen Straßen möglich auch gut mit Radschutzstreifen, Fahrradstraßen bzw. Straßen, in denen niedrige Geschwindigkeiten wie Tempo 30 vorgeschrieben sind, versorgt. Im Rahmen der Sanierung der Viktoriabrücke ist erfreulicherweise auch die Sanierung und Verbreiterung der zur Zeit noch ausgesprochen ungepflegten und engen  Bahnunterführung am Ende der Endenicher Straße vorgesehen. Fahrradabstellanlagen werden dagegen an einigen Stellen im Straßennetz noch gebraucht. Die neue Radstation allein am Bahnhof wird nicht ausreichen. Fahrradanlagen sind in hinreichender Anzahl auch in den geplanten Wohngebieten vorzuhalten.

Eine sehr gute Anbindung besteht mit Bussen und Straßenbahnen sowohl an die Innenstadt wie auch an die Bonner Außenbereiche mit einem engmaschigen Haltestellennetz  und kurzen Taktungen der Abfahrtzeiten. Über Verbesserungen des ÖPNV zum Beispiel durch Verlängerung der Straßenbahnlinien 61 und 62 um einen weiteren Straßenbahnwagen wird nachgedacht.

bonn_quantiusstrasse_1_kleinerEin größeres neues ÖPNV-Projekt steht mit der schon seit vielen Jahren geforderten Anbindung des Bonner Westens an die Innenstadt weiter im Raum. Die Verwaltung erarbeitet derzeit Vorschläge für eine möglichst schienengebundene oberirdische Straßenbahnverbindung. Es ist für mich und für den CDU- Ortsverband ebenso wenig wie für die Anwohner vorstellbar und auch nicht akzeptabel, dass eine aufwendige zweigleisige Bahnstrecke  durch die engen Straßen der Weststadt wie  Colmant- und Quantiusstraße geführt wird, wie früher schon einmal angedacht. Die Verwaltung ist beauftragt, geeignete Verbindungswege zu finden. Auf jeden Fall muss die Lösung den Anforderungen einer modernen West-Ostverbindung über die Innenstadt hinaus bis hin zum Flughafen gerecht werden. Bei den Überlegungen darf der Einsatz von Elektrobussen nicht ausgeschlossen werden.

Keine Lösung zeichnet sich bisher für die Entlastung der Reuterstraße ab. Die Reuterstraße ist eine stark frequentierte Hauptverkehrsstraße mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von 40 000 Fahrzeugen. Der Verkehr auf der Reuterstraße wird noch weiter zunehmen, weil  entlang und im Umfeld der B9 zwischen Bundeskanzlerplatz und  Bad Godesberg weitere Büroimmobilien entstehen werden. Ein zusätzlicher Verkehrsschub ist  nach Fertigstellung des  neuen Wohngebiets neben der Reuterbrücke in Kessenich zu erwarten und langfristig betrachtet natürlich zusätzlich nach Fertigstellung der Wohnbauprojekte in der Südstadt und in Poppelsdorf.

Die Anlieger der Reuterstraße in Kessenich,  Poppelsdorf und der Südstadt leiden jetzt schon Tag und Nacht unter dem unzumutbaren Lärm und den Abgasen mit höchsten Schadstoffbelastungen. Betroffen sind aber auch die Bewohner zahlreicher Querstraßen in diesen und weiteren Stadtteilen: Denn viele ortskundige Autofahrer weichen im Berufsverkehr dem Stau auf der Reuterstraße, der stadteinwärts in Stoßzeiten oftmals schon auf der A 565 aus Richtung Westen einsetzt, über die Querstraßen aus.  Unnötiger Schleich- und Durchgangsverkehr führt auch zu dem zeitweise hohem Verkehrsaufkommen auf Bonner Talweg, Baumschulallee und Wittelsbacherring. Für die Anlieger  in den an die Reuterstraße angrenzenden Ortsteilen ist der zusätzliche Verkehr nicht nur ein Lärm-, sondern auch ein generelles Sicherheitsproblem.  Dies gilt insbesondere für Kinder und Senioren.

Nach meiner Auffassung aber auch der der CDU – Ortsverbände Baumschulviertel/Südstadt und Poppelsdorf ist eine Reduzierung des Verkehrs auf der Reuterstraße dringend notwendig. Ein tragfähiges, großräumiges Verkehrskonzept wird daher gefordert.

Es kann nicht sein, dass der linksrheinische Verkehr aus dem Süden, der nach Friesdorf oder Bad Godesberg  will, über die A 565 , Poppelsdorf und die Reuterstraße zu seinem Ziel fährt. Vielmehr ist eine direkte Anbindung erforderlich. Dies gilt auch für den rechtsrheinischen aus Süden kommenden Verkehr, der oft den Umweg über die Nordbrücke und die Reuterstraße nimmt, um nach Poppelsdorf, in die Südstadt oder nach Bonn Mitte zu gelangen.

Der soeben veröffentlichte Bundesverkehrswegeplan hat den Bau einer „Südtangente“ aufgenommen, die einen Netzschluss zwischen A 565 und A 3 unter Einbeziehung eines Venusbergtunnels und eines Tunnels durch den  Ennert auf der anderen Rheinseite vorsieht, aber lediglich in der Kategorie „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“. Dies bedeutet, dass das Projekt weit hinten an gestellt und keinesfalls vor 15 Jahren einer Realisierung zugeführt werden kann. Ein Venusbergtunnel würde zur Entlastung der Reuterstraße entscheidend beitragen. Aber solange können wir nicht mehr warten. Ich setze mich daher dafür ein, unabhängig von dem Tunnelprojekt im  gemeinsamen Bemühen der Stadt Bonn, dem Land NRW und dem Rhein-Sieg-Kreis für den Bonner Süden ein neues Verkehrskonzept zu erstellen, das den Autobahnnetzschluss zwischen A 3 und A 565 auf anderem Weg zum Ziel hat. Hierbei ist zu prüfen, inwieweit durch den Ausbau von Landes- und Kreisstraßen eine Südquerung geschaffen werden kann. Ob es gelingt, die Reuterstraße wieder zu einer für Bürgerinnen und Bürger lärm- und abgasverträglichen Hauptverkehrsstraße zu entwickeln, hängt ganz wesentlich von einer übergreifenden Verkehrsplanung ab, die ohne Tabu mit allen Partnern neu zu überdenken und zu erarbeiten ist.

Wachsende Bewohnerzahlen in der Südstadt machen es erforderlich, die vorhandene Infrastruktur zu stärken und ggf. im gegenseitigen konstruktiven Wettbewerb zu erweitern. Die zumeist familiengeführten Geschäfte am Bonner Talweg machen das Herz der Südstadt aus und sind ebenso wie auch alle anderen Gewerbe-, Verwaltungs-und Dienstleistungsbetriebe in den Ortsteilen Südstadt und Baumschulviertel für die Nahversorgung von großer Bedeutung. Sie gilt es zu unterstützen, indem die Rahmenbedingungen für ihren Fortbestand immer wieder nachjustiert und verbessert werden. Dabei sind die Überlegungen der Verwaltung, den Bonner Talweg im Rahmen des vorgesehenen Austauschs der Straßenbahngleise zwischen Weber- und Königstraße so umzubauen, dass zugunsten von Radfahrerschutzstreifen die derzeitige Lade und Lieferzone vor der Geschäftszeile  und  damit auch die Haltemöglichkeit für Kunden entfällt, kontraproduktiv. Selbst in dem Gutachten, das die Bonner Verwaltung hat ausarbeiten lassen, wird festgestellt, dass „Anlieferbereiche fehlen, so dass die bestehende Regelung des Haltens am westlichen Fahrbahnrand bei der bestehenden Parkregelung eine funktionale Notwendigkeit darstellt“.  Nach diesem Gutachten hat sich der Verkehr in diesem Bereich auf die Geschwindigkeit der Radfahrer eingependelt, so dass die Durchschnittsgeschwindigkeit unter 20 km/h. liegt. Es besteht keine Unfallauffälligkeit. Die Radfahrerschutzstreifen sind nicht etwa aus Sicherheitsgründen erforderlich, sondern dienen dem besseren Komfort und der Beschleunigung der Radfahrer und der Fahrzeuge. Hier steht also der Komfort der Radfahrer gegen die Existenzgefährdung der Geschäfte. Das dürfen wir nicht zulassen. Diese Planungen sollten eingestellt werden. Zu begrüßen wäre, wenn mit dem Austausch der Gleise an gleicher Stelle  eine Sanierung und verbesserte Gestaltung  der Fahrbahndecke erfolgen könnte. Radfahrer können dort fahren, sollten wenn möglich aber besser die parallelen Straßen zum Bonner Talweg nutzen, wie es viele Radfahrer bereits tun.

bonn_suedstadt_3_kleinerIn der gesamten Südstadt und im Baumschulviertel besteht große Not, ein Fahrzeug zu parken. Immerhin haben die Eigentümer der denkmalgeschützten Häuser oft keine Möglichkeit auf eigenem Grund und Boden Park- oder Stellplätze zu schaffen. Um unkontrolliertes Parken zu vermeiden wird ein ordnendes Parkraumkonzept benötigt, das genügend Parkmöglichkeiten für die Anwohner, für die Gewerbebetriebe, für  Arztpraxen, Rechtsanwaltskanzleien etc. und für Ihre Besucher vorsieht. Um die Parkdauer für den Kundenverkehr in Grenzen zu halten, dürfen dabei mehr bewirtschaftete Parkplätze vorgesehen werden. Die vorhandenen Tiefgaragen sollten in ein solches Konzept miteinbezogen werden, auf die z. B. durch eine geeignete Wegweisung aufmerksam zu machen ist. Arbeitgeber in der Südstadt und im Baumschulviertel sollten bei ihren Mitarbeitern, die nicht in einem der beiden Ortsteile wohnen, durch geeignete Maßnahmen dafür werben, für den Weg zur Arbeit den ÖPNV oder das Fahrrad zu nutzen. Für mit dem PKW anreisende Mitarbeiter sollten sie, sofern sie nicht über ausreichend eigene Parkplätze verfügen, erforderliche Parkkontingente in Parkgaragen vorhalten.

Dringend erforderlich ist langfristig eine bessere Lösung für den Durchgangsverkehr an den Bahnschranken, insbesondere an der Lessingstraße, an der systembedingt mehrfach höhere Wartezeiten bestehen als an den Bahnschranken Weber- und Königstraße. Auch Fußgänger und Radfahrer müssen hier warten, da nicht wie an den anderen Übergängen Unter-führungen bestehen. Verhandlungen mit der Deutschen Bahn sollten neu aufgenommen werden, um annehmbare Lösungen zu schaffen. Es müssen aber auch durch Änderung der innerstädtischen Verkehrsführung Wege zur Vermeidung des langen Verkehrsstaus gefunden werden, der sich in den Stoßzeiten vom Bahnübergang Königstraße weit bis in die Prinz-Albert-Straße erstreckt. Wenn diese Autofahrer die Südunterführung nutzen, werden sie über den City-Ring geführt und haben große Umwege hinzunehmen, wenn sie ein Ziel in der Stadt anstreben.

Insgesamt betrachtet ist die Südstadt für die durch die Bauprojekte  zu erwartende steigenden Bewohnerzahl  gut gerüstet und kann einen großen Beitrag zur Schaffung von mehr Wohnraum leisten. Allerdings müssen die erkannten Verkehrsprobleme rechtzeitig und nachhaltig gelöst werden, um Schaden von der Bevölkerung zu wenden.

Zum Schluss sei ein weiteres Projekt genannt, das der Verschönerung des Baumschulviertels und nicht dem Wohnungsbau gilt. So wird  gerade die Sanierung des in die Jahre gekommenen Baumschulwäldchens zwischen Beethovenplatz, Haydnstraße, Rottenburgstraße und Wittelsbacherring vorbereitet, das  ebenso wie die Poppelsdorfer Allee wichtige Naherholungsfläche  für Bürgerinnen und Bürger ist.  Der aus dem Gestaltungswettbewerb der Stadt Bonn hervorgegangene Sieger hat angelehnt an die ursprüngliche kurfürstliche Baumschule die  Teilung des Wäldchens in ein  „Naturwäldchen“ und „Botanisches Wäldchen“ sowie anstelle der jetzt vorhandenen geschwungenen Wege gerade Wege vorgesehen, die schon in der alten Tranchot-Karte von 1801  bezeugt sind. Es ist ferner ein reichhaltiges Angebot an Spielgeräten für Kinder geplant. Da nicht alle Anwohner mit den Vorstellungen der Planer glücklich sind,  wird die Verwaltung  eine Bürgerwerkstatt  durchführen, so dass alle interessierten Bürgerinnen und Bürger an der Gestaltung des Wäldchens mitwirken können. Mit der Sanierung, deren Umsetzung frühestens 2017 zu erwarten ist, wird ein Projekt des Bonner Masterplans umgesetzt. Das Baumschulwäldchen gehört zu den sog. „grünen Trittsteinen“, die eine Verknüpfung zwischen den in der „Inneren Stadt“ Bonns vorhandenen Grün- und Freiflächen herstellen sollen. Ich bin sicher, dass die Neugestaltung des Baumschulwäldchens für das Baumschulviertel und alle Bürgerinnen und Bürger, die dort  Erholung suchen, eine Bereicherung ist.