Herausforderung demografischer Wandel

Gilles210x300Ein Beitrag von Dr. Klaus-Peter Gilles, CDU-Fraktionsvorsitzender (November 2015)

Die Gesellschaft schrumpft und altert, die Auswirkungen des demografischen Wandels sind bereits heute spürbar und werden ihren Höhepunkt in den nächsten 25 bis 35 Jahren erreichen. Obwohl NRW in den kommenden Jahren mit einem signifikanten Bevölkerungsrückgang zu rechnen hat, wird sich Bonn über diesen Aspekt des demografischen Wandels keine großen Sorgen machen müssen – im Gegenteil: Bonn ist eine der attraktivsten Großstädte Deutschlands, als Wohn- und Wirtschaftsstandort begehrt und besonders unter jungen Berufstätigen beliebt. Bis zum Jahr 2040 sollen weitere 37.000 Menschen zuziehen. Die überaus positive Prognose stellt uns aber auch vor enorme Herausforderungen: Umso begehrter der Standort Bonn bei Gewerbetreibenden und Unternehmen ist, desto knapper wird das Angebot an noch verfügbaren Flächen; auch die Lage am Wohnungsmarkt wird sich mit zunehmenden Bevölkerungswachstum noch verschärfen. Kurzum: Bonn boomt, hat aber nicht die Flächen, die für  das weitere Wachstum erforderlich sind.

Regionale Kooperationen als Schlüsselkonzept

Was tun? Nachverdichtungmaßnahmen werden zwar bei der zukünftigen städtebaulichen Planung eine Rolle spielen, können aber bei weitem nicht die Flächenkapazitäten aufbringen, die in den nächsten Jahren benötigt werden. Für die Zukunft werden regionale Kooperationen entscheidend sein, um alle Herausforderungen aber auch Potentiale des Bevölkerungs-zuwachses gemeinsam stemmen und nutzen zu können.

Seit der letzten kommunalen Neuordnung vor über 35 Jahre sind die Siedlungsgebiete des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn an vielen Stellen zusammengewachsen, hier müssen Verwaltung und Politik ansetzen und durch gemeinsames Handeln eine starke Region mit einem attraktiven Wirtschafts- und Wohn- und Handlungsraum schaffen.

Ein weiteres Thema sind die mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft verbundenen Anforderungen: Altersgerechte Wohnungen werden in den nächsten Jahren verstärkt nachgefragt werden, auch hier werden interkommunale Lösungen das Thema der Zukunft sein, um weiterhin bezahlbaren und attraktiven Wohnraum für alle Generationen bieten zu können. Auch die Verkehrsinfrastruktur ist nicht im gleichen Maße gewachsen wie die Bevölkerung, durch die geographische Lage unserer Region ist ein Wirtschaftsraum entstanden, der bereits heute enorme Pendlerströme zwischen Wohn- und Arbeitsplätzen hervorbringt. In begrenztem Umfang finden Aktivitäten statt, wie z.B. der gemeinsame Betrieb der SSB (Linie 66), in den kommenden Jahren sollten wir einen gemeinsamen Verkehrsentwicklungs- und Nahverkehrsplan umsetzen. Langfristig sollte auch über eine enge Kooperation zwischen den Verkehrsgesellschaften nachgedacht werden.

Kooperation und Kommunikation

Fest steht, dass Bonn und die gesamte Region ihr gemeinsames Potential erkennen und effizient nutzen müssen. Ein erster Schritt sind hierbei Gespräche und Verhandlungen auf Augenhöhe zwischen den Gebietskörperschaften Stadt Bonn, Rhein-Sieg-Kreis und den zugehörigen Städten und Gemeinden mit dem Ziel, neue regionale Konzepte zu entwickeln und Kooperationen anzutreiben.

Planungen dürfen nicht mehr nur aus innerstädtischer Perspektive erfolgen, sondern müssen eine nachhaltige, regionale Raumentwicklung zum Ziel haben. Hier müssen örtliche Planungshoheiten ganzheitlichen Betrachtungen untergeordnet werden, zunächst durch freiwillige Selbstbindungen.

Sind die elementaren Grundsteine bezüglich interkommunaler Gewerbeansiedlungen und Wohnungsbau gelegt, sollten im Folgeschritt auch Bereiche wie Kultur, Abfall- und Energie- sowie soziale Fragen gesamtregional betrachtet und gelöst werden.