Flüchtlingshilfe DRK in Bonn

Ehrenamtliche Helfer bauen Betten auf und betreuen Flüchtlinge

Das DRK wurde vor mehr als 150 Jahren auf dem Schlachtfeld von Solferino von Henry Dúnant gegründet, um Verwundeten und Flüchtlingen zu helfen. Dieser Aufgabe sind wir auch heute noch verpflichtet.

Seit Wochen sind die Bonner Rotkreuzler im Dauereinsatz. Sie richten Notunterkünfte in Bonn, Duisburg, Hennef und Alfter ein und bereiten alles für die Ankunft der Schutzsuchenden vor. Sie unterstützen die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen und koordinieren die vielen Sachspenden, denn die Hilfsbereitschaft der Menschen in Bonn ist groß.

Einen Monat früher als geplant zogen am 1. August die ersten hundert Flüchtlinge in die ehemalige Ermekeilkaserne in der Bonner Südstadt ein. Für das Deutsche Rote Kreuz in Bonn war das eine große Herausforderung. Innerhalb eines Tages musste die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes NRW hergerichtet werden.

2015_fenninger_drk_1 (2)„Ein logistischer Kraftakt“, sagt Georg Fenninger, Vorsitzender des Kreisverbandes. 52 Doppelbetten, Regale mit Bettwäsche und Hygieneartikeln und Spinde mussten aufgebaut, die Kleiderkammer befüllt werden. Mehr als 735 Stunden haben die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer allein in den ersten vier Tagen in der Flüchtlingsunterkunft Ermekeilkaserne zugepackt. Nach Ankunft der Flüchtlinge übernahmen sie die Registrierung und Unterbringung. In den ersten drei Wochen versorgten und betreuten sie die Schutzsuchenden, bis die gemeinnützige DRK-Betreuungsgesellschaft für soziale Einrichtungen (BsE) den Betrieb mit hauptamtlichen Kräften übernahm. Für die Asylbewerber ist der Aufenthalt in Bonn nur eine Durchgangsstation. Sie bleiben zwei bis drei Wochen. Dann werden sie den Kommunen zugeteilt.

24 Stunden in drei Schichten waren jeweils sechs Rotkreuzhelfer im Einsatz. Ob Rundgänge durch die Einrichtung, Waschpulver, Zahnpasta oder Bettwäsche ausgeben, Spenden annehmen, Krankenberichte aus dem Krankenhaus kopieren oder Taschengeld ausgeben – viele verschiedene Aufgaben fallen in einer Unterkunft an. Eine Sanitäterin kam vier bis fünf Mal in der Woche nach Arbeitsschluss in die Flüchtlingsunterkunft. „Es machte Spaß zu helfen und wir haben vieles mit den Flüchtlingen gemeinsam gemacht“, erzählt die Bürokauffrau. „Als ein LKW mit gespendeten Gartenmöbeln der Fa. OBI ankam, haben wir ihn zusammen abgeladen. Die Flüchtlinge wollen etwas tun, sie sind dankbar für unsere Unterstützung.“

Die Spendenbereitschaft der Bonner ist enorm. Im Hof der Unterkunft standen nach wenigen Tagen gespendete Tischtennisplatten, Fußballtore, Roller, Kettcars, Staubsauger, Bügelbretter und Fahrräder für Kinder und Erwachsene. Dank spontaner Spenden konnte auch die Idee eines Sandkastens für die Flüchtlingskinder umgesetzt werden. Unterstützt wird das DRK von Kirchen, Vereinen und Initiativen. Viele Menschen bieten ihre Hilfe an. Sie wollen helfen beim Übersetzen, die Flüchtlinge zu Ärzten und Ämter begleiten, Spielgruppen für die Kinder organisieren und Deutschunterricht anbieten.

Die Kölsch-Rock-Band Brings lud spontan 60 Flüchtlinge zu ihrem Konzert Ende August in die Rheinaue ein. Helfer des Kreisverbandes und Mitarbeiter der Sicherheitsfirma begleiteten sie, die Stadtwerke stellten einen Bus zur Verfügung. „Das heute ist der glücklichste Moment seitdem ich hier in Bonn bin“, sagte ein Flüchtling nach dem Konzert. Ein paar fröhliche Stunden verbrachten Flüchtlingsfamilien auf Pützchens Markt. Die Schausteller der Kirmes hatten sie eingeladen, kostenlos Karussell zu fahren und die Wirtin des Bayernzeltes versorgte sie mit Getränken und Essen. Ein Bus der Stadtwerke holte die Flüchtlinge morgens aus den Unterkünften in Muffendorf und in der Ermekeilkaserne ab, DRK-Helferinnen und Helfer begleiteten sie. Mehrere Spiele der Baskets konnten auch besucht werden.

Die Ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Kreisverbandes engagieren sich aber nicht nur in Bonn. Ihre Hilfe ist auch andernorts gefordert. Zehn Rotkreuzler des Kreisverbandes halfen beim Aufbau einer provisorischen Zeltunterkunft für 300 Flüchtlinge in Duisburg. Sie verlegten Kunststoffbodenplatten in Zelten und statteten sie mit Feldbetten, Stühlen und Beleuchtung aus. „Dass sich auch für diesen Einsatz auf Landesverbandsebene so viele Helfer aus Bonn fanden, obwohl wir gerade erst selbst die Flüchtlingsunterkunft in der Bonner Südstadt eingerichtet hatten, ist wirklich großartig“, lobt der DRK-Vorsitzende die Bereitschaften.

Im September forderte der Rhein-Sieg-Kreis Unterstützung für die Unterbringung von mehr als 250 Flüchtlingen in Hennef an: Die beiden Einsatzeinheiten des DRK Bonn wurden in Alarmbereitschaft versetzt und rückten aus. Vorübergehend betreuten 30 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die Schutzsuchenden rund um die Uhr. Eine Kleiderkammer wurde eingerichtet und mit Kleidung aus den Beständen des DRK in Bonn ausgestattet.

Ende September hat das Land NRW weitere 260 Flüchtlinge nach Bonn geschickt, die in der Notunterkunft Ermekeilkaserne unterkamen. Dafür haben 23 ehrenamtliche Einsatzkräfte des Kreisverbandes in einer Hauruck-Aktion in den Abendstunden einen weiteren Trakt für eine Notunterkunft hergerichtet. Das DRK (BsE) betreibt derzeit die beiden Einrichtungen mit etwa 1.150 Asylsuchenden in Bonn. Daneben wird eine Notunterkunft in Alfter betreut und wir stehen für weitere Einrichtungen der Stadt Bonn bereit. Dies alles geht aber nur mit finanzieller Unterstützung durch Spenden.